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Kritisch gesehen

Ein CI ist oft ein vielschichtiges Beispiel, das im Training auf einen Punkt getrimmt wird. Eine Antwort wird präferiert und als die richtige hingestellt. In realer Kommunikation geht es aber immer darum, Alternativen für die Deutung zu gewinnen und realistisch zu beurteilen. Für die didaktische Nutzung werden die CIs öfter konstruiert oder entstellt oder gar nur erfunden. Sie sehen nun ein Beispiel, das Sie kritisch betrachten sollen.

Da hat uns der Tauchlehrer abends zu seiner ägyptischen Familie eingeladen. Normal, wenn wir ankommen, dann setzen wir uns zusammen und feiern erst mal richtig. Er sagte, er hat eine Einladung bei seinem Großvater, das sei ganz in der Nähe, da könnten wir ja mitgehen. „Ob das nicht eine Zumutung wäre, so spät.“ Nein, nein, der täte sich freuen, wenn Europäer zu Besuch kommen. Wir sind dann auf die Tauchbasis gefahren und da waren dann noch sechs Schweizer. Da hat er zu denen auch gesagt, er sei zum Essen eingeladen und sie könnten alle mitkommen. Eingeladen waren er und seine Frau und wir sind dann zu zehnt bei der Familie angerückt. Da war so ein winzig kleines Vorzimmer und die saßen da alle rum. Ich hatte vorher schon diskret gefragt, ob das noch geht nachts um elf Uhr. Dann haben sie zusätzlich für uns alle aufgedeckt und wir haben gesagt: „Nee, nee. Wir wollen nichts essen, einfach so dabei sein.“ Das ging so lange bis der ägyptische Hausherr böse wurde, weil wir uns immer so geziert haben. Die bieten einem ständig Zigaretten an. Wir waren alle Nichtraucher und haben wiederholt gesagt: „Nein, danke.“ Dann kam die Hausfrau so ganz kurz mal raus, um uns alle zu begrüßen. Wir wollten eigentlich, dass die sich zu uns setzt, da waren so viele Speisen da, dass das für uns alle gereicht hätte. Na ja, wir waren zu zehnt erschienen statt zu viert. Dann hat sie sich halt in die Küche gestellt und hat die ganze Nacht nur gekocht, gebacken und aufgetischt. Wir haben uns kaum bedient. Dann kamen schließlich Hausherr und Hausfrau zusammen und haben die Teller so aufgehäuft, so total voll. Das konnten wir nicht essen, mussten fast alles stehen lassen. Die waren stockbeleidigt. Dabei wollten wir der Frau einfach nur Arbeit ersparen.

Überlegen Sie: Welche kritischen Punkte sehen Sie in der Tauchlehrer-Geschichte? Was vermuten Sie? Sie können sicher Einiges aus der Erzählung entnehmen.

  • Was impliziert eine Einladung in Ägypten?
  • Welche Erwartungen hegen die Gastgeber?
  • Welche Erwartungen hegen die Gäste?
  • Was zeigt sich über das Verhältnis der Geschlechter in Ägypten?
  • Welche primären Wahrnehmungen offenbart die Erzählerin?
  • Welche Deutungsansätze bietet die Erzählerin selbst an?

Entwickeln Sie aus der Originalerzählung zwei eigene didaktische CIs. Titel: „Hausfrau in Ägypten“ und „Anbieten und ablehnen“.

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